Tagebuch

In den letzten Wochen vor dem Start des Festivals werden wir allen sehsüchte-Fans einen exklusiven Einblick in die aufregende Vorbereitungsphase ermöglichen. Die Mitglieder der einzelnen Ressorts berichten von ihrer Arbeit, einzelnen Erfolgserlebnissen, kleinen und großen Katastrophen, Sorgen und Glücksmomenten. Aber lest selbst...


Eintrag vom 17. April 2009 von David (Programm)

"Ganz allgemein sind Brüste zwar schön..."

Ich und die anderen...

Liebes Tagebuch,

Ich bin's wieder, dein David. Ich weiß, in letzter Zeit musstest du oft mein Lamentieren ertragen. Über die anderen aus der Progammgruppe, diese Hannah, diese Caro, diesen Moritz, diesen Andy und unseren Praktikanten Feliks, die alle meine Rechenkünste nicht zu schätzen wussten. Also hab ich dir dann immer vorrechnen müssen, was die anderen mit einem Schulterzucken abgetan hatten:

1.200 Filme mit einer durchschnittlichen Dauer von etwa 25 Minuten mussten in unwesentlich mehr als einem Monat von uns gesichtet werden. Das Ganze dann geteilt durch zwei- bis dreiköpfige Sichtungsgruppen aus einer Menge von (+/- 2) 6 widerborstigen Programmgruppenmitgliedern. Davon mussten dann täglich noch 2 ½ Stunden in der Regionalbahn subtrahiert werden, 5 Raucherpausen à 6 Minuten, eine einstündige Mittagspause und 6 mal 5 Minuten für die Zubereitung der gleichnamigen Terrine.

Weiterhin galt es, die variablen Faktoren mitzubedenken: die tägliche Verspätung von Caro und/oder Feliks in einer gemittelten Größenordnung von 1,5 und die Sammeleinreichungs-DVDs mit - durchschnittlich - 20 Filmen von Filmschulen, die allerdings nur ein Formular eingereicht hatten. Hinzu kamen die Telefonate von Hannah, die Blockseminare von Moritz und die Vergnügungsreisen von Andy. Ja, liebes Tagebuch, auch ich, und das gebe ich offen zu, habe an manchen Tagen noch eine sechste Raucherpause eingelegt.

Wenn es mal wieder länger dauert

Das Produkt dieser hochkomplexen Gleichung musste dann noch mit dem sogenannten Tagesform-Faktor multipliziert werden, der einen Wert zwischen 0,01 und 1,0 betrug. Er errechnete sich aus folgenden Komponenten: Laune, Schlaflänge/Nacht, Schlaflänge/Sichtung, Qualität und Anzahl der Mahlzeiten (beides mit Tendenz gegen 0) und dem Kontroversepotential der Filme inklusive anschließendem Diskussionsbedarf. Außerdem mussten die Anzahl der dem Körper zugeführten Alkoholika sowie die Abspiellaune des jeweiligen DVD-Players berücksichtigt werden.

Nun, liebes Tagebuch, du kannst dir sicher denken, wie schwer es mir fiel, noch die tägliche Zeit für diese Berechnungen zu finden, wo doch während der Sichtungszeit sogar die Werte Freizeit, Sonnenlicht, Wochenende, Freunde, Vitamine und Schlaf aus unserer Privatlebens-Gleichung gekürzt worden waren.

Trotzdem ist es mir sogar gelungen, jedem neuen Tag noch einige Sekunden für meine aufrüttelnde Predigt "Stückzahl, Stückzahl, Stückzahl!!!" abzuringen. So konnten wir unser Unternehmen ohne wesentliche Kollateralschäden zu einem ausgezeichneten Ergebnis führen: dem großartigen, unverwechselbaren, unersetzlichen sehsüchte-Festivalprogramm.

"Pozegnania" ein perfekter Film?

Wie bitte? Ob ich dir nach allem, was ich gesehen habe, die Formel für den perfekten Film geben kann? Ich fürchte nicht. Ich kann dir nur ein paar Beispiele dafür geben, welche Rechnung in der Regel nicht aufgeht: Personen, die lange wortlos an einem Tisch sitzen oder über eine Wiese laufen und nackte Frauen, die am Fenster rauchen, sind oft leider keine tragende Filmidee. Auch sind zwei Dialogzeilen pro 15 Minuten Laufzeit selten genug. Ganz allgemein sind Brüste zwar schön, aber auch kein Filmkonzept im eigentlichen Sinne.

Ja, ja. Natürlich klugscheißerst du jetzt wieder von wegen "…mehr als die Summe der einzelnen Teile" und "der Zauber eines Films lässt sich nicht in Zahlen und Tabellen fassen" und du hast ja Recht. Aber eine letzte spannende Rechenübung hab ich noch für dich, liebes Tagebuch: Was kommt heraus, wenn man von 1.200 Filmeinreichungen die oben genannten Filme abzieht und jene, die einfach kein Glück hatten?

      - Du liegst richtig: die 157 Filme des diesjährigen sehsüchte-Festivals.

Aber schlaf jetzt besser, liebes Tagebuch, denn während des Festivals werden wir beide nicht oft dazu kommen,


Dein David



Eintrag vom 13. April 2009 von Andy (Presse)

Ist schon wieder was passiert?

Mein Tagesablauf als Ansprechpartner der Presse...

Wir von der Papierstelle...

...gegen 10 Uhr schlage ich unausgeschlafen, zerknittert vom letzten Abend und mit einem Pott Kaffee bewaffnet an der Hochschule für Film und Fernsehen auf. Die ca. 500 m Weg von der eigenen Wohnung werden natürlich mit dem Auto zurückgelegt. Schließlich gilt es die restlichen Kräfte zu schonen. Es könnte ja sein, dass zufällig ein Pressevertreter mit Kamera auftaucht und ich jugendliche Frische zum Besten geben muss.

Die Parkplatzsuche vor der Hochschule endet oft in einem kleinen Privatkrieg mit den Filmparkbesuchern. Zum Glück sind Quentin Tarantino und Brad Pitt wieder abgereist, so dass der Schaulustigen-Slalom weniger zeitaufwendig geworden ist. Trotzdem werde ich heute wohl wieder einmal in der zweiten Reihe parken müssen.

Zur ersten Überraschung des Tages kommt es am HFF-Empfang. "Sind die sehsüchte Schlüssel schon raus", ist meine tägliche Frage an das nette Wachpersonal. Die Antworten schockieren mich schon lange nicht mehr. Mit Sprüchen wie: "Auch schon da?", "Gestern wohl wieder etwas zu lang gefeiert" oder "Franzi ist schon seit 7 Uhr hier und sah um einiges frischer aus als du" muss ich mich jeden Morgen rumschlagen. Sympathischer ist dagegen der Pförtner, der mich schon hundert Meter vor der Hochschule erkennt. Während ich mich noch zur Eingangstür schleppe, schaut er bereits in die Schlüsselliste und braucht nur noch die Hand zu heben: "Kannst gleich hoch gehen." …Mach ick!

Noch 100 Meter bis zum Pförtner...

Mittlerweile ist der Kaffee halb verschüttet, der Rucksack mit den wichtigen Unterlagen (ein dreifaches Hoch auf das papierlose Büro) und meinem Laptop hinterlässt erste, unangenehme Abdrücke auf den Schulterblättern, da ruft es schon aus dem Hintergrund des Foyers: "ANDY - lass uns erst mal eene schmocken!" Bevor ick mir schlagen lassen muss… auf zur nächsten Herausforderung, einem 7-minütigen Smalltalk mit einem sehsüchte-Teammitglied.

Als Pressemensch ist man ja zum Zuhören verdammt. Nicht selten wird dies exzessiv genutzt. Es werden letzttägige Telefongespräche rezitiert, Erfolgsmeldungen in Kastensätze mit acht bis zehn Kommata verpackt und ich werde mit Problemen konfrontiert, auf die ich scheinbar eine Antwort haben sollte. Schreib mir doch lieber mal ne Email, denke ich dann oft und verwerfe den Gedanken an meinen vollen Posteingang wieder. Die Zigarette ist mittlerweile runter gebrannt, ohne dass ich einen Zug nehmen konnte. Verdammt! Multitasking, das es in der Form übrigens nicht gibt, war nie eine meiner Stärken.

...von wegen!

So, jetzt aber, auf zum Büro, denn ich ahne schon, dass die Arbeitsplätze langsam knapp werden. Vorbei an der großartigen sehsüchte-Plakatwand, schreite ich die Treppen hinauf und ärgere mich, nicht den Fahrstuhl genommen zu haben. Der phänomenale Ausblick auf das Foyer entschädigt die Mühe. Und weiter geht's… Im Augenwinkel erscheint wieder eines dieser Poster: "Hier steppt der Bär". "Morgen wieder", denke ich und fahre jetzt endlich im geliebten Fahrstuhl in die dritte Etage.

50 beantwortete Mails, ein dutzend wichtige und weniger wichtige Anrufe und zahlreiche Meetings später kann ich mich endlich meiner Lieblingstätigkeit zuwenden, dem sehsüchte-Pressespiegel!!! Google sei Dank habe ich gelegentlich auch Spaß bei der Arbeit. Die Liste meiner Suchanfragenkombinationen mit dem sehsüchte-Begriff ist rekordverdächtig und erfüllt mich mit Stolz. Und wenn ich mit einem Stapel neuer Zeitungen ins Büro spaziert komme oder zum hundertsten Male das Druckerkabel benötige, weiß das gesamte Festivalbüro, was die Stunde geschlagen hat. Neulich habe ich mich gefragt, ob mein gesteigerter Papier-, Tesafilm- und Stromkonsum nicht langsam die Festivalleitung auf den Plan rufen müsste. Egal, es wird Zeit Feierabend zu machen… und falls das Festival nicht schon vorbei sein sollte, beginnt morgen das gleiche Spiel von vorn. Hoffentlich werde ich dann mehr von meinem Kaffee UND meiner Zigarette genießen können.

Zu wünschen wäre es mir ja ;)

Euer Andy




Eintrag vom 09. April 2009 von Franzi (Rahmenprogramm/Events)

Wer braucht schon die Presse!

Liebes Tagebuch, Liebe Fans,

...auch heute ist mal wieder einer von diesen Tagen an denen ich nicht länger als 06:00 Uhr schlafen konnte. Die Zeit rennt uns davon... Noch 2 Wochen und unsere To do-Liste scheint kein Ende zu nehmen. Aber keine Angst das Rahmenprogramm-Team hat sich auch in der größten Not noch lieb und vor allem alles im Griff!

An dieser Stelle, so glaube ich, lohnt es sich mal ein kurzes Resümee zu ziehen, denn irgendwie muss der Mensch (in dem Fall ich) seinen leicht psychotischen Zustand einfach mal zum Ausdruck bringen und verarbeiten. Aber wo fange ich an? Am besten ganz vorn:

Das Rahmenprogramm hat sich lieb!

Im November 2008 fing alles ganz harmonisch an. Das gesamte Team traf sich auf der alljährlichen sehsüchte-Fahrt im geliebten Eberswalde. Wir teilten Ressorts ein, besprachen das uns Bevorstehende und fanden uns in neuen "Lebensgemeinschaften" für das nächste halbe Jahr zusammen. Und ich konnte zu diesem Zeitpunkt durchaus glücklich mit meinem Team sein und behaupte mal, sie waren es auch...na ja...sie wussten ja noch nicht worauf sie sich eingelassen haben (lol)!!!

Unsere neue "Büro-WG" bestand nach dieser Fahrt aus Peter, einem Wesen mit dem "Ich-muss-immer-alles-gleich-und-sofort-sagen"-Syndrom ganz gleich worum es gerade geht und wer sich gerade mit wem unterhält. Der süßen Laura, die in der Lage ist jegliche Form von Aggression in ein freundliches Wortkleid zu hüllen und die nicht nur bis drei zählen kann, sondern dies auch tut.

Dann wären da noch der Alex und der Heino. Zwei Menschen, die auf Grund ihres auswärtigen Wohnsitzes meist nur zu Besuch oder auf der Durchreise in Potsdam sind und mit Aussagen wie "Ich bin vom 21.-25. April 2009 übrigens nicht da" dafür sorgen, dass das restliche Team völlig kollabiert und irgendwann an Multiorganversagen zugrunde gehen wird.

Und dann wäre da noch ich (Franzi)...Herrscherin über den "roten Salon", die selbst beim schönsten Sonnenschein in ihrem Büro die Vorhänge zuzieht, um während des Arbeitens am PC heimlich eine Kippe nach der anderen zu rauchen. (Ja nee is klar...dit hat keener jemerkt!)

So viel also zu den Menschen, die euch neben den Filmen versuchen, eine spannende und aufregende Festival-Woche zu bieten. Und glaubt mir, das kann manchmal ganz schön nervenaufreibend sein. Deshalb hier ein paar Grundregeln für alle, die glauben so eine Party oder so ein Rahmenprogramm organisiert sich mal ebenso von alleine.

Avocadocreme - VIPs only!

1. Schlafen wird grundsätzlich überbewertet, denn die Angst im Nacken etwas wichtiges wie vier Handtücher oder Avocadocreme für den Backstagebereich der Künstler zu vergessen, treibt dich auch schon mal Nachts um 04:00 Uhr aus dem Bett.

2. Kaffee und Zigaretten sollten zwingend als Grundnahrungsmittel dienen, denn ohne sie würde man seine letzten persönlichen und privaten Annehmlichkeiten aufgeben.

3. Verlasse nie deinen PC, denn es könnte durchaus möglich sein, dass es jemanden gibt, der dir unbedingt etwas völlig unwichtiges wie eine Mengenanzahl an sofort benötigten Brötchen mailt während du damit beschäftigt bist, den sowieso schon viel zu späten und einzigen Techniktermin zu organisieren, ohne welchen es nämlich null Beleuchtung auf der Galaeröffnung geben würde.

4. Jegliche Art von sozialen Kontakten gilt es umgehend aufzugeben, denn es gibt nur noch eine Familie in deinem Leben und das ist die sehsüchte-Familie. Alle anderen Menschen wie Mama, Papa oder sogar Freunde sollten sich bereits ein halbes Jahr im Voraus einen Termin geben lassen, denn spontane Anrufe für ein Treffen kurz vor dem Festival können auf Grund ständig anrufender Sponsoren, Dienstleister und Teammitglieder wegen Überlastung der Leitung leider nicht mehr durchgestellt werden. UND...

5. ...Leidenschaft ist eine Notwendigkeit, denn wer keinen Spaß an dem hat was er tut, ist in diesem Business verloren. Die Liebe und das Herzblut, welches man in ein Projekt wie sehüchte investiert ist die Messlatte für Erfolg und Gelingen. Daher fällt die Umsetzung der Regeln 1 - 4 unter das Motto: "Das brauchst du mir nicht sagen, das ist doch selbstverständlich und außerdem schon erledigt!" Und diese Leidenschaft gilt es Tag für Tag neu zu entflammen.

Befolgt man diese Anweisungen kann EIGENTLICH schon nicht mehr viel schief gehen. Die Betonung liegt hier auf dem Wort eigentlich... Es könnte natürlich sein, dass es doch die ein oder andere Kleinigkeit gibt, die dich an den Rand des Wahnsinns treibt und manchmal auch darüber hinaus. Beispiele hierfür wären die Absage eines bereits fest eingeplanten Sponsoren kurz vor dem Festival; Künstler, die meinen ganze Eingeborenenstämme als Begleitung mitbringen zu müssen... welche selbstverständlich auch in Nobelsuiten untergebracht werden sollen oder leicht aggressiv angehauchte Teamtreffen auf Grund mangelnder Teammitglieder... also mit mir allein muss ich ja jetzt auch nichts besprechen.

Wer braucht schon die Presse!

Alles in allem können wir aber bereits jetzt schon ganz schön stolz auf uns sein. Wir haben ein unglaubliches musikalisches Programm auf die Beine gestellt. Wir haben großartige Szenografen, die ein Wiedererkennen des HFF-Atriums unmöglich machen. Wir haben wortgewandte Diskutanten und jede Menge Spiel, Spaß und Spannung in Form einer tollen Festivalwoche verpackt.

Und auch wenn die Presse sich nicht darum reißt über uns, die "Partymaker", zu berichten, hoffen wir auf viele feierhungrige partypeople, die Lust haben es ordentlich krachen zu lassen... Und außerdem: Wer braucht schon die Presse *g* (lol)!!!

Und damit bleibt mir dann wohl nicht mehr zu sagen als: Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und Potsdam wird brennen!

In Liebe Franzi




Eintrag vom 01. April 2009 von Stefanie (Fokus)

"Die gesamte Welt auf den Kopf gestellt"

Mein liebes Tagebuch,

heute schreibe ich dir über meine Erfahrungen im sehsüchte-Fokus-Team.

Narmeen

Es ist vollbracht: das Fokus-Programm steht! Subbba! Wir blicken zurück auf die schöne Sichtungszeit. Mit über 60 Filmen aus Indien, Pakistan, Sri Lanka und Nepal konnten wir dabei mehr als unsere Sehsucht stillen. War die Tür des Kinos geschlossen, befanden Arne und ich uns förmlich fünf Stunden voraus gen Osten. Und: nicht immer passiv im Kinosessel! Jedes Mal aufs Neue gespannt, jedes Mal aufs Neue überrascht und jedes Mal aufs Neue mehr Fragen. Namen und Titel, die, wenn wir versuchen, sie auszusprechen, uns den Atem nehmen. Jedes Mal!

Fernab von Indienromantik sowie moderner Märchen à la Bollywood blicken wir in diesem Jahr in ein Kaleidoskop, das uns einen realistischeren Blick hinterlässt.

Purna Virama

Doch worin liegt nur die besondere Herausforderung bei diesen Filmen? Nun, es bedarf schon eines besonderen Standpunkts, betrachten wir die kontroversen Weltanschauungen, die dort parallel existieren. Diese riesige Region hat eine unglaubliche kulturelle Kraft. In gewisser Weise wird die gesamte Welt auf den Kopf gestellt und macht doch irgendwie Sinn. Wahrscheinlich nicht zuletzt, da sich unsere gesamte europäische Kultur aus östlichen Einflüssen gespickt sieht. Es ist ein anderer Alltag, der durch und durch von religiösen und spirituellen Vorstellungen durchwoben ist. Wir merken, dass wir in einer globalen Welt leben, in der wir alle voneinander abhängen. Reichtum trifft auf Armut, Tradition trifft auf Moderne. Je globaler die Welt, desto einsamer der Mensch, wenn sich die Kommunikation z.B. nur über das Internet abspielt, weil man sehr weit voneinander getrennt leben muss.

Die bittere Realität ist die Zunahme der Armut mit dem Anwachsen der Metropolen. Die überwiegend ländliche Bevölkerung hat nicht das Geld, um ihren Kindern eine teure Ausbildung zu ermöglichen. Wenige Filmschulen können sich die teure Filmausrüstung leisten und ihren Studierenden eine fundierte Ausbildung bieten.

Erased

Gerne kommunizieren wir mit den Filmemachern, die uns äußerst freundlich und respektvoll begegnen. Wir sind sehr gespannt auf ein persönliches Kennenlernen. Gern blicken wir auch auf unsere Jury: Manicam Narayanan, dem Gründer des indischen TV-Senders Seventh Channel Communication, der auch als Kameramann und Produzent oder Dr. Gloriana Selvanathan einer Schriftstellerin und Filmemacherin aus Sri Lanka. Und auf: Manzar Sehbai einem pakistanischen Schauspieler und Theaterwissenschaftler sowie stellvertretender Vorsitzender des Asian Pacific Filmfestival.

Sie alle werden hoffentlich unsere Fragen klären und uns neue Fragen stellen.

Alles Liebe!


Stefanie



Eintrag vom 26. März 2009 von Julia (Marketing)

Der sehsüchte-Trailer ruft: Quentin vs. Nora

Eigentlich sollte Quentin Tarantino in unserem Festivaltrailer mitspielen. Mit dieser Idee hat uns das Trailerteam gekriegt. "Wenn sie Dir wirklich glaubhaft machen können, dass sie Quentin bekommen, dann nimm sie", gab mir unser Team mit auf den Weg. So saßen wir zu viert im Pitch, hörten uns alle Ideen an und warteten auf die Quentinargumentation á la "ist ein Schwager des Nachbars vom Bruder des Kameramanns, ist alles schon geklärt, er wartet draußen vor der Tür"...

Berlinale mitten im Wald

Mit ihrer "Das falsche Festival"-Geschichte hatten sie einfach die brillianteste Idee, die mit Klarheit und Humor bestach. Und so war es - wie wahrscheinlich noch nie in der Geschichte von sehsüchte - nach einer Minute Bedenkzeit EINSTIMMIG klar, die wollen wir!

Und damit ging es ans Eingemachte. Wir stellten neben Quentin weitere Trailerwunschkandidaten auf: Schauspieler wie Pierce Brosnan, Sean Penn, Johnny Depp oder Tilda Swinton konnten wir uns ebenfalls gut vorstellen. Leider mussten wir schnell feststellen - so einfach ist das nicht. Entweder hatten sie keine Zeit für uns oder die Flüge waren unsagbar teuer.

Nora und Florian wollen zu sehsüchte

Quentins Assistentin wollte unser Treatment einfach nicht weiter reichen und als er sein Team schon zum dritten Mal austauschte, wurde schnell klar - wir müssen uns eher deutschlandweit orientieren. Und da erschien uns eine Vision: Nora Tschirner, wahnsinnig gut aussehend, schlagfertig und gewitzt und Florian Lukas, sehsüchte-erprobt, Charaktergesicht, 10 cm kleiner als Nora - wäre das nicht ein traumhaftes Paar? Und siehe da, sie sahen es genauso! Der erste Schritt war vollbracht.

Aber damit waren nicht alle Probleme vom Tisch. Denn schließlich braucht ein Trailer nicht nur Darsteller, sondern auch einen Ort - und wir wollten auf der Berlinale drehen. Festivalatmosphäre, Authentizität, Menschenmassen, Kameras, viel roter Teppich - all das begehrten wir! Doch das sahen die Berlinaleorganisatoren anders. Kein Platz für unser hochmotiviertes Trailerteam, wenn überhaupt nur zweite Reihe, aber never ever AUF dem roten Teppich! Wir versuchten es bei Dieter Kosslick himself, baten und bettelten, doch obwohl er uns zugeneigt war, gegen sein Team wollte er nicht stellen. Und damit wir in der Bredouille: zwei Darsteller, kein Ort.

Wir trotzen dem Schneegestöber

Das ganze ist jetzt schon einige Wochen her, der Trailer fertig. Und wie Ihr seht, haben wir alles gemeistert. Wie, bleibt jedoch mein Geheimnis. Wir haben gelernt, dass, auch wenn man mitten im Wald steht und es schneit, es aussehen kann wie auf der Berlinale, Nora mehr Autorität besitzt als der Aufnahmeleiter, Florian noch kleiner ist als man denkt, mancher Komparse nach drei Flaschen Sekt erstaunlich nüchtern wirkt, dass es Kameras gibt, die so groß sind wie eine Zigarettenschachtel und die angehende Produzentin Anne-Kathrin die beste Kartoffelsuppe der Welt macht.

Es war schön und deswegen hier noch mal: einen wärmsten Dank an alle Beteiligten! Vor allem die tapfere Anne, den immer gut gelaunten Regisseur Peter, Nora und Florian, die mit Barcardi-Cola die Berlinale im Wald haben auferstehen lassen, den ambitionierten Gregor und die durchgefroreren Komparsen - 1000Dank, was hätten wir ohne Euch alle getan!

Und das alles: for our great festival!


Eure Julia (Marketing)